Rechtskatholikin als freiheitsgefährdende Radikale entlarvt

30. Mai 2016
Kategorie: Alltägliche Gedankenstreifzüge | Freiheit | Historisches | Ich bin Guelfe, ich kann nicht anders | Ironie | Medien | Zum Tage

Rouen. Eine landesbekannte Rechtskatholikin wurde heute von einem Gericht der „Radikalität“ überführt. Die 19jährige Tochter eines Landwirts habe den öffentlichen Frieden beeinträchtigt und „gefährde die Freiheit“.

Bereits seit ihrem 13. Lebensjahr habe die Täterin begonnen, sich abnormen Sitten hinzugeben; so hätte sie weder tanzen, noch feiern, noch ihre Jungfräulichkeit aufgeben wollen. Übermäßiger Kirchenbesuch formten ihr rechtskatholisches Denken.

Zwar habe sich Johanna A. zuerst den Genderstudies geöffnet, indem sie sich Männerkleidung anzog, und damit wenigstens Ansätze der Anpassung an die moderne, demokratische Gesellschaft gezeigt; andererseits offenbarten sich anschließend völkisch-nationale Ideologiemuster. Zuletzt sei ihr der Erzengel Michael erschienen, um sie dazu aufzurufen, das Land von den Engländern zu befreien.

Die umstrittene „Jungfrau“ sorgte immer wieder für neue Skandale. So gehörten laut Johanna A. „die Engländer nicht zu Frankreich“. Unsere gütigen englischen Herren antworteten natürlich spontan; Frau A. bediene sich weit verbreiteter, anti-englischer Ressentiments innerhalb der französischen Bevölkerung. Das sei Populismus auf niedrigstem Niveau. Eine Untersuchungskommission nagelte die Rechtskatholikin fest, ob denn Gott die Engländer hassen würde; Frau A. antwortete nur ausweichend, dass Gott die Franzosen von ihrem Leid befreien wolle.

Der Fall der Johanna A. ist daher ein klassischer Fall des Missbrauchs der Religion für politische Zwecke. Die Sprache der Rechtskatholikin beinhaltet eine Fülle an neurechten Begriffen. Bischof Cauchon, der den Vorsitz bei Gericht innehatte, ließ verlauten: „Für uns Katholiken ist Johanna von Orleans unvereinbar mit unserem Glauben.“ Er widersprach heftig, dass die Engländer nicht mit Frankreich vereinbar seien: „Ein Volk, ja eines der größten Völker Europas, wird hier verunglimpft.“ Es sei zudem wohlfeil, wenn Rechtskatholiken den englischen König kritisierten, nicht aber etwa die Untaten des polnischen Königs oder des mailändischen Herzogs. Das sei allerbilligste Kampagnenrhetorik.

Die „Jungfrau“ verteidigte sich damit, sie täte nur das, was Gott ihr durch die Engel und Heiligen befohlen hätte. Natürlich ist das an den Haaren herbeigezogen; niemals nie hat es irgendwann den Fall gegeben, dass Gott jemals ein Volk irgendwie zum Sieg geführt hätte. Das bedeutete ja die Bevorzugung von Völkern oder Religionsgruppen. Rechtsextremismus-Experten konstatierten bereits mögliche Verbindungen zu Alexander Kissler, Matthias Matussek oder Götz Kubitschek. Die Täterin wehrte sich im Verhör heftig gegen diese Anschuldigungen.

Dennoch ist klar: Johanna A. ist eine ausgewiesene Rassistin, Demagogin und radikale Neurechte, die mit ihren identitären Positionen hausieren geht, um verunsicherte französische Bürger zu manipulieren und gegen die bestehende Ordnung aufzuhetzen. Und das alles unter dem Deckmantel des Christentums. Cauchon kündigte an, die Kirche von Beauvais aus Protest zu verdunkeln, um ein Zeichen zu setzen.

Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d’Arc als Ketzerin verbrannt. Nur wenige Jahre später wurde sie rehabilitiert und zur Märtyrerin erklärt, 1920 als Heilige kanonisiert. Nach heutigen Maßstäben vieler selbsternannter Verteidiger der Freiheit und des Christentums dürfte die Dame im besten Falle als xenophob eingeschätzt werden, zudem als christliche Patriotin ein Dorn im Auge aller Anhänger der Käßmann-Woelki-Religion sein. Patriotismus und Selbstverteidigung scheinen jedenfalls kein Problem darzustellen, wenn der Erzengel Michael zusammen mit der Heiligen Katharina und der Heiligen Margarethe ein Bauernmädchen dazu anstiften.

Der Löwe gibt’s ganz offen zu: mit bereits heiliggesprochenen Persönlichkeiten kann er mehr anfangen, als mit denen, die nur auf Erden als solche erscheinen wollen. Cauchons gibt es immer wieder, durch alle Zeiten. Im Übrigen: auch der dachte, nur das Richtige zu tun.

Teilen

«
»