Von der Schwierigkeit, ein Reaktionär zu sein

19. Januar 2016
Kategorie: Alltägliche Gedankenstreifzüge | Caravaggioduft | Ironie | Italianità und Deutschtum | Sprüche & Aphorismen

»Sie stellen es sich so verdammt einfach vor.«
»Was kann schon so schwer daran sein, ein Reaktionär sein? Wein saufen, Beethoven hören und zynische Kommentare von sich zu geben ist ja wohl keine Kunst.«
»Sie haben mal wieder nichts verstanden, Miss Farmer. Der Reaktionär ist im Kern ein Rebell. Nicht weil er es sein will. Im Gegensatz zum linken Pöbel, der sich Che Guevara oder andere Sozialisten auf die Brust tätowieren lässt, und Revolution spielt, ist der Reaktionär immer in der Verteidigung, wird immer herausgefordert, ist immer im Krieg. Der Zeitgeist ist sein immerwährender Feind, der sein Leben zu ersticken droht. Er hat nichts mehr als das Eigene – und selbst das soll ihm genommen werden. Die Gegenwart selbst ist das Raubtier, das ihn zerfleischt.«
»Und ihr täglicher Kampf«, betonte Sam despektierlich, »besteht darin, morgens heißen Kakao zu schlürfen, Verdi auf volle Lautstärke zu drehen und dabei Panettone, Brioche und alle erdenklichen Süßspeisen aufzutischen – um dann das Feuilleton aufzuschlagen?«
Italo wandte sich von Sam ab – und zuckte die Schultern.
»Irgendeiner muss es ja tun.«

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