FAZ wacht auf: Islamischer Staat will Rom erobern

4. Januar 2016
Kategorie: Alltägliche Gedankenstreifzüge | FAZ-Kritik | Historisches | Medien

Ab und an verirre ich mich noch auf die Seite meiner Ex-Liebe. Zu den wenigen Leuten, die noch lesenswert waren, gehörte auch Rainer Hermann – mit Abstrichen. Jüngst dann diese spektakuläre Vermeldung: der IS will Rom erobern.

Ach, ist man langsam in der Zeitungsredaktion aufgewacht? Die Nachricht ist ja nun gar nicht neu. Alles, was dort steht, ist bereits seit dem Sommer bekannt – 2014, nicht 2015, wohlgemerkt. So schrieben bereits katholische Nachrichtenportale deutscher Sprache im Juli 2014 davon, bei der Welt brauchte es noch bis zum September. Am schnellsten wussten natürlich die Betroffenen davon: in den italienischen Medien war das alles schon am 2. Juli 2014 Thema.

Es ist natürlich Zufall, dass diese Notiz im Krisenjahr 2015 völlig vom (deutschen) Bildschirm verschwand.

Und völlig überraschend ist die Nachricht natürlich nicht. Denn im Koran wird der Fall Roms deutlich beschrieben; er ist die Initialzündung einer Art islamischen Katharsis, nach welcher die ganze Welt den Glauben an Allah annehmen soll; ihm geht eine Schlacht voraus, die Ähnlichkeit zu jener in der Ebene von Megiddo hat (Armageddon). Wie Hermann richtig schreibt: in der Zeit Mohammeds war mit „Rom“ schon „Roma Secunda“, also Konstantinopel gemeint. Die Prophezeiung erfüllte sich bekanntermaßen, als Mehmed II. 1453 eben diese Stadt eroberte, die einmal als DIE europäische Metropole schlechthin galt. Damit hält auch Hermann die Sache für abgeschlossen.

Das ist sie freilich nicht.

Erstens, weil sich „die Sehnsucht“ des Islam nach einer bestimmten Stadt jeweils wandelt. So war Konstantinopel noch zu seiner orthodoxen, kaiserlichen Glanzzeit der „Goldene Apfel“, den die islamische Welt erobern wollte. Nach dessen Eroberung war plötzlich Belgrad, die wichtigste Stadt des Balkans, der neue „Goldene Apfel“, dessen Eroberung man besang. Als auch Belgrad in osmanische Hand gelangte, erschien Wien als der „Goldene Apfel“, den es zu erobern galt. Man sieht, wie der Mythos eben jener verführerischen Stadt je nach Laune wandert: es handelt sich um eine Art Hürde, die man überspringt, um dann die nächste zu nehmen. Heute handelt es sich dabei ganz offensichtlich um das wahre Rom, das nun einmal für den Großteil der Christenheit das religiöse Zentrum darstellt, so, wie Konstantinopel das Zentrum der Orthodoxie war. Wenig verwunderlich, wenn nach dessen Eroberung der Goldene Apfel nach Paris oder London wandert.

Zweitens, weil die Presse ihre eigene Rolle in diesem Scharadenspiel immer noch nicht reflektiert, und keinerlei Konsequenzen zieht. Dass Islamisten sich unter die Flüchtlinge mischen wollen, war bereits damals vom IS angekündigt worden. Das von Hermann vorgestellte Büchlein „Wie man im Westen lebt“ suggeriert ja bereits vom Titel nichts anderes her. Dass die Presse an diesen Zuständen und nicht zuletzt an der Pariser Terrornacht erheblichen Anteil hat, und ihre Hände daher ebenso im Blut liegen, wird nicht zur Kenntnis genommen. Denn es ist nicht zuletzt auch die Quantitätspresse, welche die Politik in Europa treibt, und jeden, der eine „Obergrenze“ nur andeutet, quasi als Nazi in spe disqualifiziert. Wie fest die Journalisten in dieser Parallelwelt hängen, zeigte noch Ulrich Wickerts Anmerkung kurz nach den Anschlägen, als dieser behauptete, keiner der Attentäter sei eingewandert, alle seien in Europa geboren; und das zu einem Zeitpunkt, als bereits zwei Männer verdächtigt wurden, welche mit dem Youth Bulge des Mittleren Ostens über Deutschland (!) eingewandert waren.

Insofern: nein, die FAZ ist immer noch nicht lesenswert.

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