Bargeld abschaffen? Überflüssig!

18. November 2015
Kategorie: Alltägliche Gedankenstreifzüge | Freiheit | Ironie | Medien

Neulich an der Kasse standen fünf Personen vor mir. An sich wenig schlimm, da jeder nur eine überschaubare Anzahl von Gütern dabei hatte. Üblicherweise handelt es sich daher nur um vernachlässigbare Minuten der eigenen Wartezeit.

Dann aber gerät die Schlange immer wieder ins Stocken.

Eine Frau kauft ein paar Bananen und Mandarinen. Kreditkarte. Prüfen. Nummer eingeben. Ausdrucken. Unterschreiben.

Eine Studentin kauft Joghurt und Süßigkeiten. Kreditkarte. Prüfen. Nummer eingeben. Ausdrucken. Unterschreiben.

Ein Herr kauft eine Packung Zigaretten. Wieder Kreditkarte. Wieder Prüfen. Wieder Nummer eingeben. Wieder Ausdrucken. Wieder Unterschreiben.

Ich kann nicht mehr genau rekonstruieren, wer sonst vor mir stand, aber gefühlt bezahlte nur ein Student mit Kleingeld. Selbst für Beiträge unter zehn Euro erscheint der Griff in die Geldgrube überflüssig. Man fragt sich: sind die Leute faul, oder laufen die wirklich ohne Bargeld rum? Beim Wochenendeinkauf ist das nachvollziehbar, aber für diese Kleinigkeiten?

Vor Kurzem las ich in einer Zeitung, die Stimmen, die das Bargeld komplett abschaffen wollten, würden immer lauter. Es sei ja viel effizienter, schneller und einfacher. Abgesehen davon, dass jeder nachprüfen kann, wo man was gekauft hat, und ich bereits jetzt sehe, wie diese Daten missbraucht werden können – bspw. findet die Krankenkasse raus, wie viele Zigaretten man täglich erwirbt, und wird sich so Gedanken bei einem Patienten machen, der ganz plötzlich Probleme mit der Lunge hat – ist es dafür sowieso schon zu spät. De facto sind die meisten Menschen aufgrund ihrer Faulheit schon so konditioniert, dass sie diese Änderung ohne Nachdenken bereit sind anzunehmen. Nichts ist heutzutage für die Freiheit bedrohlicher, als die schlechten Marotten, die sich im Laufe der Zeit eingeschlichen haben.

Da „neu“ aber immer „besser“ ist, werden „Experten“ nicht aufhören, von der Effizienz und Einfachheit zu schwadronieren, wo man doch früher einfach nur ein paar Euro zückte (früher: Mark – erinnert sich noch wer? Das war damals, als man für die Zigaretten keinen Schein, sondern ein paar Geldstücke rausholte).

Aber gut. Stelle ich mich eben effizient an, wenn die Studentin vorne sich wieder vertippt hat.

Kreditkarte. Prüfen. Nummer eingeben. Ausdrucken. Unterschreiben.

Man merkt dabei, wie man – ähnlich der elektronischen Karte – selbst zum Zahnrad dieses Mechanismus‘ degradiert wird.

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