San Marco 2015

25. April 2015
Kategorie: Die Tochter des Marco Polo | Hintergrund und Schreibarbeit | Venedig | Zum Tage

Es ist mal wieder so weit: heute ist San Marco, Tag des Schutzpatrons in Venedig, der zur Zeiten der alten Republik eine besondere Bedeutung hatte. San Marco, der Heilige Markus, Verfasser eines der Evangelien des Neuen Testaments, hätte hier weit mehr Beachtung verdient, insbesondere was seine Legende und sein Wirken angeht, sowie seine Verquickung mit venezianischem Staat und venezianischer Tradition. Dazu kommt nicht zuletzt eine persönliche Verbindung, handelt es sich schließlich um meinen Namenspatron.

Das werde ich ein andermal ausführlicher nachholen; auch, weil „San Marco“ in allen meinen Geschichten eine Rolle spielt, manchmal mehr, manchmal weniger versteckt. So wird in der „Tochter“ darauf angespielt, dass es nicht zuletzt das Symbol des Heiligen Markus – der geflügelte Löwe – ist, das Laura an ihre Identität als Venezianerin erinnert (bewusst oder unbewusst). Von ihren Eltern getrennt, ist dies ihre Verbindung zur europäischen, christlichen (Abendland „geht ja gar nicht“, wie ich mir habe sagen lassen) Kultur, die im Konflikt mit der chinesischen steht. Der Konflikt zwischen der Welt der Harmonie Asiens und der Individualität Europas wird versinnbildlicht in eben jenem geflügelten Löwen, das als Konkurrenzfabeltier mit dem Drachen ringt. Die Antipoden finden sich zugleich in Lauras beiden wichtigsten Lehrern: auf der einen Seite die Meister von Wudang, auf der anderen der eigene Vater. Zuletzt wird dieser Gegensatz auch in den beiden Hauptcharakteren offenbar: nämlich einer venezianischen Kaufmannstochter und einem chinesischen Beamtensohn.

Persönlich liegt mir mehr der Kontrast. Dadurch sieht man die Farben besser. Einige mögen es als Klischee interpretieren; so soll es wirken, weil man Klischees karikieren kann (aber „Rollen“ eben nicht). Heutzutage herrscht leider das Konzept der Gleichmacherei. Mir gefallen Ecken und Kanten besser – nicht zuletzt, weil diese das Leben zu dem machen, was es ist.

Folgerichtig habe ich die „Tochter“ nach dem Lektorat nicht nur neu hochgeladen und in neue Kategorien (jeweils „Allgemein“) einsortiert. Das ist zwar marketingtechnisch mein Tod, aber ich will nicht, dass jemand sich betrogen fühlt. Zudem wird sie ab heute oder morgen für drei Tage kostenlos erhältlich sein. In diesem Sinne: Par tera par mar: San Marco!

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