Schreiben ist Entdecken

7. Juli 2026
Kategorie: Alltägliche Gedankenstreifzüge | Hintergrund und Schreibarbeit

Meine feste Überzeugung ist, dass Autoren keine Geschichten „erfinden“. Über Jahre hinweg habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Mir scheint, dass Autoren eher Geschichten „entdecken“, vielleicht sogar „aufdecken“.

Manches tut sich dabei am Anfang auf. Vieles bleib unentdecktes Land, wie bei einer Expedition. Zu einem bestimmten Zeitpunkt schließen sich Plots und Knoten; es sind die bisherigen weißen Flecken auf der Karte, die man nicht zu füllen wusste. Sie fügen sich organisch ein, so, als hätten diese fehlenden Fragmente immer dort gelegen, aber man es bisher nur nicht gekannt.

Das Schreiben ist eine Reise. Nicht nur in der Sparte des kreativen Schreibens, bei der wir neuen Charakteren begegnen, die uns bis zum Schluss – und darüber hinaus begleiten; Reisen, bei denen wir die Macken, Potenziale und Wünschen unserer Begleiter genauer kennenlernen. Reisen, bei denen ein Platz frei war, ohne es oftmals zu wissen.

Selbst bei manchem Artikel treffen wir im Laufe des Schreibens auf einen Gedanken, der uns bis dato unbekannt war, und plötzlich zum bestimmenden Thema wird.

Wenn ich sage, dass ich überzeugt bin, dass alles schon geschrieben ist, dann ist das kein entmutigender Gedanke. Dante scheitert nicht an Vergil; er lädt ihn zu seiner Wanderung ein. Der Druck der Originalität ist geringer, wenn man sicher ist, dass wir bereits alles haben. Wir müssen es eben nur aufdecken. Es gibt noch genügend Varianten und Facetten, die uns unbekannt sind. Die großen Themen bleiben.

Teilen

«
»