Der Nebel liegt über Halle. Das Schnauben von 3.000 Pferden vermischt sich mit dem herbstlichen Dunst. Die kaiserliche Reiterei sucht nach Monaten des unerbittlichen Krieges die Rast. Der Dreißigjährige Krieg geht in sein 15. Jahr. Es ist das zweite annus horribilis der Katholischen Liga in Folge. Vor rund einem Jahr, im September 1631, hatten Schweden und Sachsen die Liga bei Breitenfeld zerschmettert. Der Liga-Heerführer Tilly hat dort seine ganze Armee verloren. Ein halbes Jahr später, im April 1632, verliert Tilly auch sein Leben: nach der Schlacht bei Rain erliegt er seinen Wunden.
So vergeht der Ruhm der Welt. Tilly, der über Jahre als einer der erfolgreichsten Feldherren der Liga galt, verspielt in Monaten alles. Greifbar schien für die Habsburger die Restitution der Bistümer im Norden. Sogar eine Erbmonarchie fürchteten die Reichsstände aufgrund der kaiserlichen Übermacht. Das Reich, ein Adler mit vielen Federn, schien für einen historischen Moment zum absolutistischen Staat heranwachsen zu können.
Das Eingreifen der Schweden unter ihrem charismatischen König Gustav Adolf hat diesen Plan durchkreuzt.
Aber der schwedische Erfolg ist selbst der protestantischen Union unheimlich. Die Verwüstung, die das fremde Heer hinterlässt, ist für die evangelischen Reichstände eine Bürde. Der Erfolg ist unzweifelhaft. Aber nicht nur die Fürsten, sondern auch die Flugblätter aus evangelischen Druckereien fragen mittlerweile: zu welchem Preis? Vaterland, Vaterland – das ist das häufigste Wort in den Schriften dieser Tage. Der sächsische Kurfürst kämpft mit den Schweden gegen den Kaiser. Deutschland ist nun Kampfplatz einer fremden Macht. Das Reich ist nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret.