Tag der Deutschen Einheit

3. Oktober 2015
Kategorie: Freiheit | Italianità und Deutschtum | Medien | Musik | Regionalismus | Zum Tage

Ich gebe es ganz offen zu: ich kann mit diesem Tag nichts anfangen. Schon allein, weil der 9. November für die Deutsche Geschichte weitaus bedeutsamer ist. Nationalismus ist eine merkwürdige Angelegenheit; denn ein konsequenter Nationalist dürfte auch nicht von einer „deutschen Einheit“ sprechen. Eine echte Deutsche Einheit kann es auch gar nicht geben, solange solche Staaten wie Luxemburg, Liechtenstein oder Österreich existieren.

Das klingt böse? Nein, das wäre nur ehrlich.

Die Habsburger haben Deutschland weitaus länger beherrscht als alle Hohenzollern, Reichskanzler, böhmische Gefreite oder Bundeskanzler zusammen.

Insofern handelt es sich hier vielmehr um die Vereinigung eines teilidentischen Reichsdeutschlands. Allein schon die historische Realität zeigt nüchtern auf, dass es um eine rein bürokratische Angelegenheit geht.

Gott erhalte Franz, den Kaiser. Wenigstens die Musik ist (mit Umwegen!) dieselbe geblieben. Und wenn einige der einigkeitsbesoffenen Politiker wüssten, dass Haydns Musik zuerst auf einem italienischen Text gesungen wurde – die Melodie hatte ihre Premiere in der Arie „Qualche volta non fa male“ -, bevor sie im Benedictus, und dann im Kaiserquartett erklang, würde wohl dem ein oder anderem das Häppchen im Halse stecken bleiben.

Aber, bar all dieser politischen Gefühle… ist es nicht schön und ironisch zugleich, dass ausgerechnet in der Melodie des Deutschlandliedes – der Hymne eines republikanischen Staates, der so ganz anders ist als der Staat von 1797 – das Heilige Römische Reich Deutscher Nation immer noch am ehesten fortbesteht; und immer noch Haydns Geist, das Sinnbild der Klassik und damit der deutschen Kultur schlechthin, dadurch fortlebt, obwohl seine Enkel nicht einmal mehr seinen Namen buchstabieren können? Nicht jede Nationalhymne kann von sich beanspruchen, dass die Melodie von einem Komponisten mit welthistorischer Dimension geschrieben wurde.

Hier bin ich dann wieder ganz Deutscher.

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