Tempus fugit

29. Juni 2014
Kategorie: Allgemein | Das Drehbuch, an dem ich nicht schreibe | Hintergrund und Schreibarbeit | Machiavelli | Palatina | Persönliches

Es ist lange her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Bereits seit dem letzten Herbst rinnt mir die Zeit wie Sand durch die Hände. Viele Dinge, die alltäglich waren, haben seitdem an Routine, an Selbstverständlichkeit verloren. Oft scheint es mir, ich kämpfte seit Monaten gegen die Zeit selbst an, deren Stundenzeiger ich anzuhalten versuche.

Einiges ist liegen geblieben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der wichtigste: das Leben, das ich neben meiner kreativen Welt führen muss. Dazu gehörte es auch, über 5.000 Seiten im Florentinischen des 16. Jahrhunderts zu lesen, ganz abgesehen von der Sekundärliteratur. Wenn man den ganzen Tag liest und schreibt, ist man dessen irgendwann überdrüssig. Das wirkt sich aus. Andererseits behaupte ich, dass ich heute mehr Einblick in das Leben und Wirken Machiavellis habe als mancher Akademiker.

Das ist einerseits deprimierend. Machiavelli führte ein tragisches Leben. Er verstand nicht alles, aber einiges besser als seine Kollegen. Das Schicksal ist am schlimmsten, wenn man warnt und weiß wie es ausgeht, und nur tatenlos zusehen kann; oder, wenn man sein Leben lang gegen die Umstände ankämpft und dennoch verliert. Und nicht zuletzt: wenn man Wahrheit predigt, und als Lügner verleumdet wird. Niemand wurde so missverstanden wie Machiavelli.

Andererseits bleibt natürlich etwas hängen, wenn man ein Jahr lang nur mit Machiavelli zusammenhängt. Alles, was mich prägt, verarbeite ich zuletzt in irgendeiner Weise. Mir ist dabei aufgefallen, dass mein „Drehbuch, an dem ich nicht schreibe“, erstaunlicherweise bereits die Charakteristiken einer typischen machiavellistischen Komödie vom Schlage der Mandragola beinhaltet. Der Arbeitstitel „Il Principe“ ist daher bereits der offizielle geworden. Ich werde mich dazu an anderer Stelle ausführlicher äußern. Festhalten möchte ich dagegen: diese kleine Ablenkung wird wohl mein Tribut an Machiavelli, Renaissancepolitik und den Französisch-Habsburgischen Antagonismus werden – indem ich diese mit meinem eigenen, „kreativen“ Schaffen der letzten Jahre verbinde. Daher ist das Beenden dieses Projekts, das anfangs nur als Gag gedacht war, meine Priorität.

Ich komme frisch aus Italien zurück und habe nun einige Wochen frei. Ich hoffe, dass ich nach langer Zeit wieder meine Gedanken ordnen kann. Es gäbe vieles, was ich vorhätte: die Reunione bearbeiten, die Tochter des Marco Polo lektorieren lassen, mal wieder etwas für Palatina machen… mir scheint, die Zeit schwindet aufs Neue, wenn ich nur daran denke, was es noch zu tun gilt.

Vielleicht beginne ich damit, indem ich hier einen Eintrag hinterlasse.

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