Liegt auf der CDU der Schatten der Democrazia Cristiana?

18. September 2026
Kategorie: Giovannino Guareschi | Historisches | Italianità und Deutschtum | Linkverweis

Der Untergang der italienischen Democrazia Cristiana (DC) bleibt ein Menetekel an der Wand. In der Nachkriegszeit galten christdemokratische Parteien als Erfolgsmodell in Europa. Sie prägten in Italien, Österreich, Deutschland und den Benelux-Staaten die politische Landschaft. Die DC war neben der CDU die größte christdemokratische Partei Europas – ihr Zusammenbruch stand für das Ende eines historischen Parteienmodells und auch für das Ende der innenpolitischen Gewissheiten während des Kalten Kriegs. Neben der ÖVP ist die CDU die letzte Vertreterin ihrer Art, die noch regiert. Deuten die letzten Ereignisse auf ein ähnliches Schicksal hin, wie es schon ihre italienische Schwester erlitten hat?

Wie schnell der Kollaps einer Volkspartei vonstattengehen kann, zeigen die Jahre 1992 bis 1994. Bereits bei der Parlamentswahl 1992 schwächelte die DC massiv: Sie fiel auf historisch niedrige 27,2 Prozent. Bereits 1994 existierte sie nicht mehr. Ihre Nachfolgerpartei – die sich wie der Vorgänger Partito Popolare Italiano nannte – kam auf 11 Prozent. Die Christdemokratie fragmentierte sich anschließend durch Abspaltungen und Neugründungen, die sich entweder den neuen politischen Polen anschlossen oder ein Schattendasein als Splitterparteien fristeten.

27,2 Prozent – das ist nicht viel weniger als das gemeinsame Ergebnis von CDU und CSU bei der Bundestagswahl 2025 (28,5 Prozent). Die historischen Parallelen und der rasante Umfragenabsturz in den vergangenen Monaten sollten der Union genügend Warnung sein. Der Korruptionsskandal der DC war mehr Anlass denn Ursache der Parteiauflösung. Ihre eigene Spendenaffäre Ende der 1990er konnte die CDU überleben, weil sie beim Wähler noch genügend Vertrauen besaß. Das war bei der DC nicht mehr der Fall. Eine Partei muss von innen ausgehöhlt werden, bevor sie fällt.

Hier geht es zum ganzen Artikel

Teilen

«
»