In die nicht abreißende Kette seiner Wunschkonzerte hat sich Matussek einen eigenen spontanen Wunsch erfüllt: Tief gepackt und überrascht von der Lektüre von Marco Gallinas jüngstem Buch „Giovannino Guareschi – Don Camillos rebellischer Vater“ (Westend-Verlag) hat er den Autor zum Gespräch eingeladen. Über die in Deutschland unbekannten Seiten Guareschis, den Monarchisten und Antikommunisten und Widerstandskämpfer, Kindheit und Glauben und den Humor als Waffe, über den Streit zwischen Priester und Kommunist und über das Gewissen, mit dessen Stimme sich der Jesus in Don Camillos Dorfkirche vom Kreuz herab meldet, um seinen rabaukigen Angestellten zur Vergebung zu mahnen – nie wurde der stets aktuelle Kulturkampf zwischen links und rechts lustiger und menschlicher ausgetragen.
Über Guareschi, der so unbeirrt seinen Weg ging, dass er sowohl von den Nazis inhaftiert war wie später von der CD, der italienischen CDU, die ihn gemeinsam mit der Presse als „Reaktionär“ diffamierte. Guareschi trug die Bezeichnung wie einen Orden, doch für Kirche, Politik und Linkspresse war das Wort ein Ausschlusskriterium, ein Stigma – so wurde er das erstes Opfer einer Cancel-Culture, bevor das Wort überhaupt geprägt wurde. Vor allem aber bewegten Matussek die verblüffenden Parallelen Guareschis zu seinem journalistischen Hausheiligen Gilbert K. Chesterton, der mit seinem Hobbydetektiv Father Brown ebenfalls einen Priester als Verkörperung katholischer Menschenklugheit erfand. Chesterton war ebenfalls Journalist, ebenfalls Satiriker und Zeichner, der sich in den Meinungskampf seiner Tage stürzte und bereits auf der Schwelle zum blutigen 20. Jahrhundert inmitten all der Schreckenstheorien zum Aufbau einer idealen Gesellschaft erkannte: Der Mensch, der den Glauben verloren hat, hat auch seinen Verstand verloren.