Das Zeitalter der Lieblosigkeit und das Ende von Social Media

20. Juli 2026
Kategorie: Der Sandwirt | Linkverweis | Medien

Während der Content in früheren, überschaubaren Communities per se größere Aufmerksamkeit besaß und damit auch auf größere Zuneigung der Mitglieder stieß, gilt der Content heute im Überangebot der sozialen Medien als austauschbar. Auch deswegen ersetzt die KI immer mehr den menschlichen Schweiß: Wenn Inhalte lieblos sind, dann kann man sie gleich durch Maschinenprodukte ersetzen. Lieblosigkeit bedeutet nämlich auch, zu dem, was man selbst schafft, keine Beziehung, keine Leidenschaft zu besitzen. Das gilt für den Autor, der sich abmüht, einen Text zu schreiben, ebenso wie für den Handwerker, der seine Arbeit ordentlich verrichtet. Es gibt lieblose Texte und lieblose Möbel. Beides braucht die Welt nicht. Sie finden auch keinen Abnehmer.

Hier liegen Apokalypse wie Rettung. Denn mit jedem Tag nehmen die Accounts zu, die ganz offensichtlich nur noch KI-Content ausspucken. Ein CDU-Ministerpräsident, ein jesuitischer Priester, ein ehemaliger Tagesspiegel-Chefredakteur – sie alle wurden dabei ertappt. Damit stellt sich nicht nur in Social Media die Frage: Interagiert man mit einem Menschen oder einem Bot? Ist der Text ein menschliches Produkt? Das Video? Diese Influencerin? Noch geht die menschliche Natur so weit, dass sie sich angewidert fühlt, auf eine KI „hereingefallen“ zu sein.

Zugleich ist dies das Menetekel von Social Media: Wenn immer mehr Menschen spüren, nur noch von Robotern umgeben zu sein, dann hat Interaktion keinen Sinn mehr. Seit Monaten berichten mehrere Plattformen – namentlich Instagram – darüber, dass die Interaktionen von Nutzern drastisch zurückgehen. Der Markt, so scheint es, ist an Inhalten saturiert. Ein entscheidender Grund ist auch die Vermüllung mit KI-Inhalten. Die User suchen das Weite.

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