Der Historiker, Politikwissenschaftler und Journalist Marco Gallina sprach gestern in der Bibliothek des Konservatismus, um den Scheinwerfer auf zumindest einen Abschnitt der Historie zu richten: auf die italienische Nachkriegsrechte. „Von Guareschi bis Meloni – Die italienische Rechte seit 1945“ lautete der Titel des Vortrags und direkt zu Beginn griff Gallina die Verwirrung über diese Zusammenstellung auf. Dass Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ihre Partei, die Fratelli d’Italia zur Rechten gehören, sei wohl allen Zuhörern – auch jenen, die Melonis Politik als zu kompromissbereit wahrnehmen – klar. Bei dem Erschaffer von Don Camillo und Peppone, Giovanninoo Guareschi, sei diese Zuordnung auf den ersten Blick vielleicht weniger klar.
Guareschi, so stellt Gallina klar, sei ein typischer Vertreter des „Dritten Italiens“, des Lagers der Monarchisten, Katholiken, Traditionalisten und Liberalen, die sich im
Nachkriegsitalien weder von der Christdemokratie noch vom neofaschistischen Movimento Sociale Italiano (MSI) vertreten fühlten. Sein Einfluss und seine Wirkung seien
dabei häufg unterschätzt worden, gerade auch in seiner Auseinandersetzung mit der Christdemokratie.
Ob er nicht ein Buch über diese Entwicklungen und Verwicklungen schreiben könne, fragte ein offenbar begeisterter Zuhörer bei der anschließenden Fragerunde. Gallina verwies auf seine Biographie von Guareschi, die tatsächlich viele der beschriebenen Entwicklungen beinhalte. Andere Fragesteller zogen Parallelen zu Deutschland – dessen Christdemokratie zum Unverständnis der meisten Anwesenden noch immer nicht kollabiert sei. Deutschland sei eben „wieder mal die verspätete Nation“, bemerkte der Referent süffsant.