Der Sudan: Krise mit Ansage

22. Mai 2026
Kategorie: Corrigenda | Linkverweis

Obwohl sich nach zwei bitteren Bürgerkriegen Norden und Süden getrennt haben, kommt der Sudan nicht zur Ruhe. Sudanesische Sklaven gibt es etwa bis heute. Die Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI) hat erst Ende April 300 davon befreien können. Noch deutlich bedrohlicher ist aber der neue Bürgerkrieg, der seit 2023 tobt. Beobachter rechnen mit 150.000 Toten, die der Konflikt bisher gefordert hat. 30 Millionen Menschen sind laut den Vereinten Nationen von Hunger bedroht. Die Europäische Kommission ging im August 2025 davon aus, dass vier Millionen Kinder unterernährt sind. Die UN-Flüchtlingshilfe schätzt die Zahl der Flüchtlinge auf 12 Millionen. Die meisten Flüchtlinge, rund sieben Millionen, sind Binnenflüchtlinge. Die übrigen sind in die bitterarmen Nachbarländer geflohen, etwa in den Tschad.

Eigentlich müsste der Krieg im Sudan deshalb ein hochaktuelles Thema sein. Denn wie lange die Nachbarstaaten als „Auffangbecken“ für die Kriegsflüchtlinge standhalten können, ist angesichts mangelnder Ressourcen, schlechter Infrastruktur und sich ausbreitenden Hungers fraglich. Medien warnten bereits 2025 vor einer potenziellen Migrationskrise. Die Sudanesen, die in Ägypten Zuflucht suchen, sind dort nicht wohlgelitten. Im letzten Jahr verabschiedete die Regierung ein neues Asylgesetz. Seitdem versuchen einige Sudanesen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Zwischen 2024 und 2025 trafen über 14.000 Sudanesen in Europa ein – ein Anstieg um 232 Prozent seit Beginn des Konflikts. Dennoch gehört der Sudan-Krieg zu den vergessenen Konflikten auf der Welt, der lediglich zum Jahrestag des Kriegsausbruchs medialen Raum einnahm. Er wird danach vermutlich wieder vergessen – bis seine Auswirkungen spürbar werden.

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