Aufstand der Zwergenkirchen

24. August 2026
Kategorie: Ich bin Guelfe, ich kann nicht anders | Linkverweis | Non enim sciunt quid faciunt | Tichys Einblick

Fern liegen die Tage, als man die AfD mit dem Hinweis abbürstete, dass nur eine Minderheit diese Partei wählen würde – Sprüche wie „90 Prozent wählen die AfD nicht“ haben deutlich an Aktualität eingebüßt. „60 Prozent wählen die AfD nicht“ hört sich eben weniger schmissig an. Um dennoch einen „Wir sind mehr!“-Moment zu kreieren, hat sich die „Zivilgesellschaft“ gleich mehrfach zu Wort gemeldet. „Zivilgesellschaft“, das sind im besten Deutschland aller Zeiten: Prominente, die Bundesregierung und die Kirchen.

Den Aufschlag machte bekanntlich Didi Hallervorden. Da dessen Anti-AfD-Sketche sich als Rohrkrepierer im Wahlkampf entpuppten, wollen nun zahlreiche C- und D-Promis auf denselben Zug aufspringen. Die Kampagne „Wahre Heimatliebe ist“ des Vereins „Mehr als uns trennt“ versammelt dafür Funktionäre aus Sport, Kultur und Wissenschaft, die niemand kennt, aber die hoffen, wenigstens etwas öffentliche Aufmerksamkeit abzugreifen.

Die Bundesregierung – genauer gesagt: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer – greift über ein „Bauhausmanifest“ direkt in den Wahlkampf ein, gibt dem ganzen Unternehmen aber freilich den Anstrich einer „zivilgesellschaftlichen“ Aktion, obwohl das Logo des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien darüber prangt. Hätte früher ein CDU-Bundesminister in einen Landtagswahlkampf eingegriffen, um das SPD-Programm anzugreifen, dann wäre das früher zum Skandal hochgejubelt worden. Der Kulturkampf und die Übertretungen von Gewaltenteilung und Unterscheidung von Land und Bund lassen die meisten darüber nur noch übermüdet gähnen.

Dass die Bundesarchitektenkammer und die Deutsche UNESCO-Kommission den Aufruf unterzeichnen – das kann man nachvollziehen. Aber die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK)? Sind die Kirchen nun Anhänger der Bauhauskultur? Freilich: Mancher Kirchenbau ab den 1960er Jahren hat die architektonische Geschmacksverirrung mancher Prälaten enthüllt.

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So, wie die CDU nicht verstanden hat, dass ein Auftritt bei „Ben ungeskripted“ mehr Einfluss hat als ein Auftritt im CDU-Ortsverein, so haben auch die Kirchen nicht verstanden, dass sie im Zeitgeist der 1970er Jahre festsitzen. Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt zeigt gnadenlos, dass vermeintlich progressive Inhalte – ob in Politik oder Kirche – nichts damit gemein haben, ob man tatsächlich innovativ ist. Gegen Siegmunds jugendliche Frische wirken nicht nur die Bischöfe angestaubt. Da kann man noch so viel über die Rückwärtsgewandtheit der AfD klagen, wenn man nach zwanzig Jahren immer noch nicht die neuen Medien verstanden hat.

Aber nicht nur deswegen führen die Kirchen einen Zwergenaufstand an. Ihre Relevanz ist gewollt und bemüht. Aber Sachsen-Anhalt ist ein weißer Fleck auf der religiösen Karte Europas. Feiges Magdeburger Bistum zählt rund 71.000 Katholiken. Es ist aber nicht deckungsgleich mit Sachsen-Anhalt. Dort dürften nur noch rund 61.000 Katholiken leben. Es handelt sich also um ein Mini-Bistum, dessen Bischof sich größer aufbaut, als er ist. Dazu gehört auch die Tatsache, dass Feige „angezählt“ ist. Er hat im Sommer um seine Entpflichtung gebeten. Der Bischof ist also auf Abschiedstournee.

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