Der Sommer steht noch immer im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft. Nach dem Ausscheiden Ägyptens gegen Argentinien im Achtelfinale beschwert sich Nationaltrainer Hossam Hassan: „Wir sind ungerecht behandelt worden!“ Hintergrund sind mehrere Schiedsrichterentscheidungen. Die eigentliche Ungerechtigkeit auf dem Platz bleibt dabei völlig im Hintergrund: Sie betrifft die ägyptische Nationalmannschaft selbst.
Denn obwohl die Kopten rund 10 Prozent der ägyptischen Bevölkerung ausmachen, findet sich in der gesamten Nationalmannschaft kein einziger christlicher Spieler. Mehr noch: Selbst in den ägyptischen Clubmannschaften spielt nur ein einziger Kopte. Systematisch werden christliche Fußballspieler aus den Kadern ausgeschlossen.
Die Organisation Coptic Solidarity schreibt: „Derzeit gibt es keine bekannten koptischen Spieler in der ägyptischen Fußballnationalmannschaft, weder in der A-Nationalmannschaft noch in der B-Nationalmannschaft oder den Jugendnationalmannschaften. Dies ist seit Jahren der Fall, obwohl es in Ägypten eine große christliche Minderheit gibt.“ Neben Fußball treffe dies auch auf Basketball, Volleyball, Handball und die olympischen Disziplinen zu.
In einem Papier aus dem Jahr 2018 berichtet die Menschenrechtsorganisation anhand zahlreicher Beispiele über die Diskriminierung der Kopten im Fußball. Dort steht u. a.:
„Derzeit gibt es 540 Spieler in den Fußballvereinen der höchsten Spielklasse in Ägypten, und unter ihnen befindet sich nur ein koptischer Fußballer. In der ägyptischen Olympia-Delegation nach Brasilien im Jahr 2016 gab es überhaupt keine Kopten, und das Gleiche gilt für die ägyptische Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Weder in der Stammelf noch im Kader ist auch nur ein einziger Kopte zu finden, und folglich gibt es auch keine koptischen Sportkommentatoren in den offiziellen ägyptischen Medien oder in privaten Medien, die sich in muslimischem Besitz befinden.“