Alles nur geklaut?

19. Mai 2026
Kategorie: Antike | Der Sandwirt | Historisches | Linkverweis

Freilich: Das Deutsche Reich sucht nach kulturellen Reichtümern, um insbesondere mit dem British Museum gleichzuziehen. Aber Humanns Traum ist älter als die Reichsgründung. Bisher fehlten ihm die logistischen und finanziellen Mittel. Doch jetzt legen die deutschen Archäologen innerhalb von zwei Jahren die Fundamente des Pergamonaltars frei. Das Deutsche Reich zahlt 20.000 Goldmark, um die Reliefs des Altars zu erwerben und nach Deutschland zu bringen. Denn ob die Stücke vor dem Raubbau sicher sind, können Humann, Conze und ihre Mithelfer nicht mit Sicherheit sagen. Im Osmanischen Reich wird das Archäologische Museum in Istanbul erst 1891 gegründet. Conze schreibt später:

„Wir sind nicht fühllos dagegen gewesen, was es heißt, die Reste eines großen Denkmals seinem Mutterboden zu entreißen zu uns hin, wo wir ihnen das Licht und die Umgebung nie wieder bieten können, in die hinein sie geschaffen wurden, und in denen sie einst voll wirkten. Aber wir haben sie der immer vollständigeren Zerstörung entrissen. Damals war noch kein Hamdy Bey in Sicht, den bald warme Freundschaft mit Humann verband, und wir konnten damals noch nicht denken, was mit seiner Hilfe inzwischen möglich geworden ist, daß die am Orte verbleibenden Ruinen vor den Steinräubern der modernen Stadt […] würden beschützt werden können […].“

In Berlin erhält der Pergamon Altar später sein eigenes Museum – es sind zu viele Stücke, und die Rekonstruktion braucht ihren Platz. Selbst den Zweiten Weltkrieg übersteht das Monument unbeschadet, weil die Kuratoren die wertvollen Friese zeitnah im Flakbunker verstauen – Opfer der Zerstörung wird lediglich die Rekonstruktion. Die einzigen Verluste entstehen im Zuge der Plünderung durch die Rote Armee, die die Stücke als Beutekunst beschlagnahmte. Erst 1959 kehren sie nach Ost-Berlin zurück.

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