Er hat die Mozzetta an. Das ist die auffälligste Änderung des Pontifikats: Leo XIV. tritt bei öffentlichen Besuchen und bei der Messe wieder so würdevoll auf, dass die Vogue ihn zu den bestgekleideten Persönlichkeiten 2025 kürte. Dazu residiert der Pontifex wieder in den apostolischen Gemächern und auf der Sommerresidenz Castel Gandolfo, um auf Tuchfühlung mit dem katholischen Volk zu gehen.
Nicht nur stilistisch hat der am 8. Mai 2025 zum Nachfolger Petri gewählte Robert Prevost mit seinem Vorgänger gebrochen. Auch intellektuell sind die Zeiten des Buona-Sera-Populismus vorbei. Der Augustiner auf dem Thron hat von der ersten Predigt an die abwägende, theologische Form gewählt.
Der Ton des neuen Pontifex hat dabei nicht wenige irritiert. Die verschiedenen Lager in der Katholischen Kirche – ob progressiv, konservativ oder traditionell – interpretieren die Worte des Papstes immer noch nicht im leoninischen Sinne, sondern oft im franziskanischen. Die Bergoglio-Jahre haben sie geprägt. Der Hang, Leo immer noch nicht als eigenen Papst zu sehen, sondern Franziskus zum Maßstab zu machen, ist groß. So ist Leo in ihren Augen eben doch ein „Franziskus II.“ – im Guten wie im Schlechten.
Dabei pflegt der erste US-amerikanische Papst sehr eigene Akzente. Anders als sein Vorgänger hat er sein Versprechen gewahrt, ein Zuhörer zu sein. Leo poltert nicht. Seine Rolle ist die des Versöhners – deshalb wurde er gewählt, daher handelt er so, wie er handelt.