Eigentlich hatte Guareschi nicht viel zu lachen: Er verbrachte zwei Jahre als «Italienischer Militärinternierter» unter erbärmlichen Zuständen in deutschen Gefangenenlagern, litt unter der Gewalt, die er im Italien der Nachkriegszeit miterleben musste, und ihrem Verschweigen, und landete schlussendlich ein weiteres Mal im Gefängnis – verleumdet, im Stich gelassen, allein.
Exakt das ist das vergessene Drama eines Mannes, den Millionen gelesen haben, aber der unter die Räder des Zeitgeistes kam. Denn als Guareschi aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte und seine Erlebnisse im «Diario Clandestino» publizierte, da gab es Hunderttausende Militärinternierte, die ebenfalls zurückkehrten, und denen er damit ein Denkmal setzte. Guareschi war für einige nicht wegen seines persönlichen Leidens ein Held, sondern, weil er als Stellvertreter das zu Papier brachte, was andere nicht konnten. Er hat einmal gesagt, dass er nicht aufhören könne zu schreiben, besonders nicht über die schlimmen Dinge, weil er damit den Unbekannten und den Stummen eine Stimme gibt. Diese Mission, in erster Linie auch dem einfachen Mann – im Gegensatz zu den geschwätzigen und omnipräsenten Intellektuellen – eine Stimme zu geben, gab ihm Kraft. Das und freilich die Überzeugung, dass Gott gerecht ist. Gott erlegt keinem Menschen zu viel Leid auf, das er nicht auch stemmen kann. Das Leid formt erst den Charakter. Deswegen sieht man solche Bewährungsproben auch immer wieder in den Don-Camillo-Geschichten.
An seiner Beerdigung nahmen keine Politiker und keine Intellektuellen teil, das staatliche Fernsehen widmete seinem Tod nur wenige Sekunden. Sie schreiben in Ihrem Buch: «Es ist der Frost der Verachtung einer herrschenden Klasse, die einen Nonkonformisten los ist.» Wie ist Ihre ganz persönliche Einschätzung dieses Mannes aus der Bassa?
Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat nach der Lektüre des Buches gesagt: Guareschi ist ein Mann der Zukunft. Ich glaube, das ist eine ganz präzise Beschreibung. Don Camillo und Peppone sind auch keine historischen Relikte des Kalten Krieges. Zugleich ist Guareschi der Autor des Gewissens, das macht ihn zeitlos. Und er wird gerade in dieser gewissenlosen Gegenwart mehr denn je gebraucht.