Pius XII.: Der letzte mittelalterliche Papst

7. April 2026
Kategorie: Ich bin Guelfe, ich kann nicht anders | LEO | Linkverweis

Die Demontierung von Pius XII. war in den 1960ern Jahren nichts weniger als ein Denkmalsturz. Dazu kam, dass auch progressive Gruppen innerhalb der Kirche eine Zäsur wünschten. Das Zweite Vatikanische Konzil ist nicht nur für Traditionalisten ein Wendepunkt. Das Lager der Progressiven wie der Traditionalisten einigt die Vorstellung einer „Hermeneutik des Bruchs“, die im Gegensetz zu einer „Hermeneutik der Kontinuität“ steht. Letztere haben konservative Vertreter wie Joseph Ratzinger beschworen.

Aktuell ist aber dieses konservative Lager geschwächt. Insbesondere in Europa hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass die 1960er Jahre die „mittelalterliche Kirche“ abgewickelt hätte. Der Unterschied ist lediglich, dass Progressive dies als positiv, Traditionalisten als negativ bewerten.

Deswegen ist die Persönlichkeit Pius XII. so entscheidend. Er war in diesem Sinne der „letzte mittelalterliche Papst“. Diese ironische Bezeichnung stammt von Giovannino Guareschi („Don Cmaillo und Peppone“), der in den 1950er und 1960er Jahren immer noch zu den bedeutendsten katholischen Publizisten Italiens zählte. Bereits in den 1960ern zeichnete er ganz klar die Spaltung zwischen „Pacellianern“ und „Montinianern“ (benannt nach Giovanni Battista Montini, Paul VI.) auf. Das Zweite Vatikanische Konzil fasste er als eine „Entpacellisierung“ analog zur „Entstalinisierung“ in der Sowjetunion auf. Pius XII. hatte noch einen streng antikommunistischen Kurs durchgesetzt, den seine Nachfolger lockerten.

Diese „Entpacellisierung“ war nötig, weil Pius XII. bis zu seinem Tod als ein lebender Gigant der Kirchengeschichte betrachtet wurde. Sein Pontifikat dauerte 19 Jahre (1939 bis 1958). Er war damit der längste amtierende Papst des 20. Jahrhunderts nach Johannes Paul II. (1978–2005). Allein deswegen drückte er der Kirche seinen Stempel auf: Wenn Johannes Paul II. die prägende katholische Gestalt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war, dann war Pius XII. die prägendste Gestalt der ersten Hälfte. Die politische Agenda von Journalisten, Künstlern und Intellektuellen – Hochhuth war einer davon – haben sich auch deswegen an dieser Überfigur abgearbeitet, weil sie sich dadurch moralisch selbst erhöhen und ein Monument der katholischen Geschichte niederreißen konnten.

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