Armenien im Kreuzfeuer

16. Februar 2026
Kategorie: LEO | Linkverweis | Machiavelli

Ein Posting auf X bleibt eine der bemerkenswertesten Erinnerungen an die Visite von US-Vizepräsident JD Vance in Armenien. Man kann es heute nur noch als Kopie nachlesen – weil das Original gelöscht wurde. Offensichtlich hatte das Weiße Haus Einwände gegen das Statement. Vance hatte auch die Gedenkstätte für die ermordeten Armenier besucht, die Opfer des Völkermordes wurden, den das Osmanische Reich gegen seine christlichen Bewohner entfesselt hatte. Auch der Katholik Vance hatte das Verbrechen als solches benannt. Das dürfte den Verantwortlichen in Ankara und Baku möglicherweise zu weit gegangen sein. Vances Post verschwand. Die Türkei, Haupttäter der ethnisch-religiösen Säuberung, bestreitet den Genozid bis heute.

Das allein zeigt bereits die unangenehme Position, in der sich Armenien befindet. Im Zweifel stehen die Interessen zurück. Insbesondere, wenn US-Interessen berührt sind. Die USA wollen sich als ehrlicher Makler inszenieren, der den lang ersehnten Frieden im Kaukasus gestiftet hat. Irritationen in Aserbaidschan, das bis heute mit Armenien verfeindet ist, dürfen nicht in Kauf genommen, wenn sie das „Friedensprojekt“ bedrohen. Das gilt für die USA wie auch Armenien selbst, das mit seinen rund 3 Millionen Einwohnern zwischen Aserbaidschan (10 Millionen Einwohner) und der Türkei (88 Millionen Einwohner) erdrückt wird.

Nicht nur demographisch ist das kleine christliche Land zwischen muslimischen Giganten in einer schlechten Position. Die Türkei hat als NATO-Partner, Militär- und Wirtschaftsmacht sowie seiner geopolitischen Lage eine Schlüsselstellung in der Region. Aserbaidschan schöpft seine reichen Ressourcen aus dem Kaspischen Meer und schmiert damit das Wohlwollen westlicher Politiker und Organisationen.

Nicht nur Recep Erdogan regiert dabei autoritär. Auch sein aserbaidschanischer Amtskollege, Präsident İlham Alijew leitet sein Land mit eiserner Faust. Er kokettiert mit Gebietsansprüchen in Armenien, machte sich über armenische Opfer lustig und hat sich durch internationale Korruption und Vetternwirtschaft hervorgetan. In Deutschland ist sie als Kaviar-Diplomatie bekannt.

Der ganze Artikel bei LEO (Englisch).

Teilen

«