US-Vizepräsident JD Vance besucht in dieser Woche ein geteiltes Land. Das Friedensabkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan vom August 2025 hat US-Präsident Donald Trump mitausgehandelt. Die unterzeichnete Urkunde hat Trump demonstrativ in die Kamera gehalten. Die US-Administration sieht darin einen außenpolitischen Erfolg mit prestigeträchtiger Bedeutung.
Doch das Abkommen steht auf wackeligen Füßen. Aserbaidschan hat unter seinem Machthaber Ilham Alijew bereits früh einen Störenfried ausgemacht: Die armenisch-apostolische Kirche sei ein „Hindernis“ im Friedensprozess. Davon schrieben nicht nur aserbaidschanische Medien. Mittlerweile sieht auch Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan in der Kirche eine Kraft, die ihm gefährlich wird.
Das erscheint paradox, denn eigentlich ist die Kirche die Trägerin der armenischen Identität. Zwar gilt Armenien als das erste Land, in dem das Christentum im 4. Jahrhundert zur Staatsreligion erhoben wurde; der letzte unabhängige armenische Staat ging allerdings bereits im 14. Jahrhundert unter. Die Kirche wurde zum Bindeglied der Armenier durch die Jahrhunderte. Sie ist auch die Institution, die den Völkermord an den Arme niern zur kollektiven Erinnerung erhoben hat.
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Das Schicksal Berg-Karabachs und Armeniens ist der Zündstoff für den Kampf zwischen Klerus und Staat. Regierungschef Paschinjan steht unter Druck, weil er Erfolge vorweisen muss: Im Juni wird in Armenien gewählt. Das historische Friedensabkommen muss verteidigt werden. Andererseits bedeutet dies die Anerkennung des Verlustes von Berg-Karabach. Die Vertriebenen werden zum Kollateralschaden der Politik. Ein Rückkehrrecht ist ausgeschlossen. Den Forderungen Alijews, dass Aserbaidschaner auf armenisches Staatsgebiet zurückkehren müssten, setzt Jerewan nichts entgegen.