Erasmus

Über den Beginn der Aufklärung

20. November 2018
Kategorie: Europa | Fremde Federn | Historisches | Ich bin Guelfe, ich kann nicht anders | Mittelalter | Philosophisches

In „Anti-Religious Thought In The Eighteenth Century“ thematisiert Chesterton Ursprung und Beginn der Aufklärung. Der gesamte Text findet sich hier in englischer Sprache, die folgende deutsche Übersetzung stammt aus der Hand von Crescenzia. Der Originalbeitrag auf ihrem Blog findet sich hier.

Das siebzehnte Jahrhunderte endete mit einem Fragezeichen. […] Es war eine offene Frage, aber es war auch eine offene Wunde. […] sie erwarteten, dass sich die Wunde schließen würde. Wir tendieren heute natürlich dazu, diesen Punkt zu übersehen. Wir haben fast vierhundert Jahre ein geteiltes Christentum gehabt und haben uns daran gewöhnt; und es ist die Wiedervereinigung der Christenheit, die wir als das außerordentliche Ereignis ansehen. Aber sie sahen immer noch die Spaltung der Christenheit als ein außergewöhnliches Ereignis. Keine der beiden Seiten hatte je wirklich erwartet, dass sie in einem Zustand der Spaltung verbleiben würde. Alle ihre Traditionen seit tausend Jahren sprachen von irgendeiner Art von Einheit, die aus einer Kontroverse folgte, von jeher, seit eine geeinte Religion sich über ein geeintes Römisches Reich ausgebreitet hatte. Von einem protestantischen Standpunkt aus war es ganz natürlich, dass der Protestantismus Europa erobern würde, so wie das Christentum Europa erobert hatte. In diesem Fall wäre der Erfolg der Gegenreformation nur das letzte Aufzüngeln einer sterbenden Flamme, wie das letzte Gefecht des Julian Apostata. Von einem katholischen Standpunkt aus war es ganz natürlich, dass der Katholizismus Europa zurückerobern würde, wie er mehr als einmal Europa zurückerobert hatte; in diesem Fall wäre der Protestant dasselbe wie die Albigenser: ein vorübergehendes Element, das schlussendlich reabsorbiert würde. Aber keins dieser beiden natürlichen Dinge geschah. Preußen und die anderen protestantischen Fürstentümer kämpften im Dreißigjährigen Krieg gegen Österreich als den Erben des Heiligen Römischen Reiches. Sie bekämpften einander bis zum Waffenstillstand. Es war absolut und offensichtlich hoffnungslos, Österreich protestantisch oder Preußen römisch-katholisch zu machen. Und von dem Moment an, wo diese Tatsache begriffen wurde, änderte sich das Wesen der ganzen Welt. Der Fels war gespalten worden und würde sich nicht wieder schließen, und in dem Spalt oder Abgrund begann eine neue Art von seltsamem und stacheligem Unkraut zu wachsen. Die offene Wunde eiterte.

Der nächste Absatz – jetzt wieder in englischer Sprache aus dem Original – führt den Gedanken weiter:

We have all heard it said that the Renaissance was produced or precipitated by the Fall of Constantinople. It is true in a sense perhaps more subtle than is meant. It was not merely that it let loose the scholars from the Byzantine Court. It was also that it let loose the sceptical thoughts of the scholars, and of a good many other people when they saw this last turn of the tide in the interminable strife between Christ and Mahomet. The war between Islam and Christendom had been inconclusive. The war between the Reformation and the counter-Reformation was inconclusive. And I for one fancy that the former fact had a good deal to do with the full sceptical expansion of the eighteenth century. When men saw the Crescent and the Cross tossed up alternately as a juggler tosses balls, it was difficult for many not to think that one might be about as good or bad as the other when they saw the Protestant and the Catholic go up and down on the seesaw of the Thirty Years War. Many were disposed to suspect that it was six to one and half-a-dozen to the other. This addition involved an immense subtraction; and two religions came to much less than one. Many began to think that, as they could not both be true, they might both be false. When that thought had crossed the mind the reign of the rationalist had begun.

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