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Medien als Verfechter des islamischen Deutschlands

17. März 2018
Kategorie: Europa | Freiheit | Historisches | Ich bin Guelfe, ich kann nicht anders | Ironie | Linkverweis | Medien | Non enim sciunt quid faciunt

Wir leben in einer Zeit der Nagelproben und des Selbstbetrugs. Lebenslügen kollabieren, werden aber künstlich am Leben gehalten. Die Zeichen der Zeit manifestieren sich im Kollaps der Institutionen, die Deutschland und Europa seit der Nachkriegszeit prägen. Am meisten leiden die Medien – insbesondere Staatsmedien – darunter: gemästet vom jahrelangen Gebührenzahlerbuffet hat man sich so sehr daran gewöhnt, die Stimme der Wahrheit zu sein, dass allein durch das Aussprechen der eigenen Zauberworte alles Wahrheit wird. Und da Wahrheit und das Gute irgendwie zusammenhängt, ist man Ideologe des Guten.

Die Gläubigen nehmen ab, die Kirchen der Rundfunkanstalten leeren sich. Anders als bei den real existierenden Kirchen ist ein Austritt jedoch unmöglich, die „Demokratieabgabe“ hat den Kirchenzehnt ersetzt. Ob wir die Predigten mögen oder nicht, der Priester wird von uns bezahlt, selbst wenn er uns persönlich angreift. Die „Unabhängigkeit“ des Rundfunks ist vor allem die Unerschütterlichkeit, die eigene Meinung zu verkünden.

In der Tat: die „Rechten“ sind eine Minderheit in diesem Land. Die Parteien sind nicht die Mehrheit, die alternativen Medien sind nicht die Mehrheit, die Tagespost oder die Junge Freiheit, Tichys Einblick oder die Achse des Guten, die Sezession und Antaios sind nur kleine Speerspitzen in einem Wettbewerb, der mit Feuerwaffen ausgetragen wird.

Und dennoch: es gibt ein zentrales „rechtes“ Thema, das nicht „rechts“ zu sein scheint, weil eine breite Bevölkerungsschicht dieser Meinung ist, egal ob man AfD oder SPD wählt: der Islam gehört nicht zu Deutschland.

Dieser kleinste gemeinsame Konsens in einem sonst polarisierten Land (bzw. Kontinent) ist den Medien ein Dorn im Auge. Seehofers Strategie ist offenkundig: indem er das Mantra der gegenwärtigen Politiker und Journalisten durchbricht, demnach der Islam nur eine Religion unter anderen ist (dass sie als eine der wenigen Politik und Religion bereits in der Schrift vereint, wird vernachlässigt), versucht er sich Zustimmung in unentschlossenen Kreisen zu verschaffen. Ob das erfolgreich ist, steht auf einem anderen Blatt; aber die derzeitige Debatte zeigt, dass das Thema eben nun mal nicht abgeschlossen ist, auch, wenn es Merkel und die Bundesregierung gerne so hätten.

Verschiedene Umfragen und Statistiken sprechen eine deutliche Sprache. Hier setzt der Erziehungsmechanismus des besten Deutschlands aller Zeiten an: denn selbst klare Ergebnisse müssen so gedeutet werden, dass sie ins Schema passen. Als pars pro toto der Bericht des Focus:

Ein Trend, der sich aus den Daten ablesen lässt: Ältere Deutsche und Deutsche mit geringerem schulischen Bildungsgrad lehnen die Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“ eher ab als junge Deutsche und Deutsche mit höherem Schulabschluss. Während zum Beispiel lediglich 38,6 Prozent der 18- bis 29-Jährigen finden, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sind es bei den 50- bis 64-Jährigen 59,5 Prozent. Befragte mit Abitur antworteten zu 50,4 Prozent mit „Auf keinen Fall“, bei Befragten mit Hauptschulqualifikation oder ohne Abschluss sind es 67,9 Prozent.

Was der Text aber eben nicht abbildet: die Ablehnung des Islams in der Gruppe der 30-39jährigen ist höher als die in der Gruppe der 40-49jährigen. Das heißt: es sind eher weniger die alten und ungebildeten Deutschen, als vielmehr die erwerbstätige Mitte des Landes, die den Islam ablehnt. Und selbst bei den jungen Deutschen (18-29jährigen) liegt der Prozentsatz der entschiedenen (38,6 %) oder teilweisen Ablehnung (20,9 %) immer noch deutlich vor dem Teil der Befragten, der die Aussage ganz (15,3 %) oder teilweise (18,6 %) bejaht.

Was der Focus hier macht, ist allerdings eher auf die übliche Verflachung von Kurzformaten zurückzuführen. Eingangs wurden ja nicht umsonst die staatlichen Medien erwähnt, denn diese haben vom ersten Moment eine Kampagne gestartet, die Islamkritiker mal wieder rundweg als ungebildet und laute Minderheit qualifizieren soll. Bezeichnend ist dabei ein Beitrag der Tagesschau, der die Stimmung auf Twitter wiedergeben soll:

Dem Zuschauer wird suggeriert, das Internet stelle sich mehrheitlich gegen Seehofer und kritisiere den Spruch, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Dabei wählt die Tagesschau nicht etwa jene Tweets aus, die am meisten geteilt oder positiv bewertet wurden, sondern fast ausschließlich jene, die der Ideologie der Redaktion entsprechen. Die gezeigten Exempel haben fast nur einstellige oder geringe zweistellige Werte. Am besten läuft der Tweet von Mario Sixtus, den aber alteingesessene Twitterer eher als Verlautbarer linker bis linksradikaler Sprüche kennen, der jeden mit anderer Meinung in Sekundenschnelle blockt. Als Journalist und Filmemacher für ARD und ZDF ist er überdies weder repräsentativ noch neutral, sondern gehört zum eigenen Netzwerk der öffentlich-rechtlichen Medien.

Neben der Suggestion, dass die Mehrheit die Meinung Seehofers ablehnt, hilft auch die schon in der Umfrage gemachte Äußerung, dass nur Ungebildete den Islam kritisieren. So wird vom Deutschlandfunk der Mittelalterprofessor Borgolte als Kronzeuge herangezogen.

Der emeritierte Mediävist der Berliner Humboldt-Universität sagte dem Evangelischen Pressedienst, es seien Araber und Syrer muslimischen Glaubens gewesen, die große Teile antiker griechischer Naturwissenschaften und Philosophie gerettet und der lateinischen Welt des westlichen Europas überliefert hätten. Der wissenschaftliche Aufbruch des hohen Mittelalters, der die Voraussetzungen für die moderne Welt geschaffen habe, beruht nach Ansicht Borgoltes auf diesen Leistungen muslimischer Gelehrter. Deutschland als Teil des westlichen Europas habe dem Islam seit dem Mittelalter Unschätzbares zu verdanken, hob der Historiker hervor.

Es ist verwunderlich, dass Borgolte diese Aussage tätigt, wenn sein Kollege Rémi Brague, der jahrzehntelange Expertise auf dem Feld hat, das genaue Gegenteil behauptet. Das Thema ist auf akademischer Ebene immer noch umstritten. Die Aussage wird gerne in den Medien wiederholt, trifft aber nicht die Sache. Die Aussage verfolgt zwei eher plumpe Strategien:

Primo: Den Islamkritikern wird unterstellt, alles aus dem Ausland wäre schlecht. So, als würde die Ablehnung des Islams bedeuten, dass man deshalb auch Falafel oder 1001 Nacht ablehnte (übrigens zwei Dinge, die tatsächlich nichts mit dem Islam zu tun haben). Die Differenzierung, mit denen sich die Medienschaffer sonst schmücken, bleibt dann auf der Strecke und wird plumpe Anklage. Im Übrigen: nur, weil 1001 Nacht in Europa rezipiert wurde, heißt das nicht, dass 1001 Nacht Grundlage der abendländischen Kultur ist. Und weil Aristoteles im arabischen Raum tradiert wurde, heißt das auch nicht, dass Aristoteles plötzlich ein Muslim geworden ist, von dem man lernen könnte.

Secundo: Der Wissenstransfer selbst ist nicht so eindeutig, wie hier dargestellt. Übersetzung und Tradierung, zumindest die, die für das Abendland wichtig war, stammte meist aus jüdischer oder christlicher Hand im arabischen Raum. Ebenso ist anzuzweifeln, dass der Wissenstransfer singulär über das maurische Spanien gelaufen ist, viele Hinweise deuten auf Byzanz und Venedig. Hier wird eine Schicksalhaftigkeit behauptet, die es so nicht gegeben hat – als ob die Byzantiner, die sich selbst als Römer bezeichneten, ihr eigenes antikes Wissen verloren hätten.

Diese Art der Argumentation hatte ich bereits in diesem Artikel besprochen: Miszelle zum Wissensverkehr zwischen Orient und Okzident.

Weiterführend zum Thema: Rémi Brague bei der „Presse“.

Twitterer adogmatikōs weißt richtigerweise auf zwei Persönlichkeiten hin, die eben diese Theorie ins Wanken bringt, demnach Toledo der einzige Wissensknoten war. Für einen groben Überblick eignet sich der Wikipedia-Artikel. Die dortige Kritik richtet sich bemerkenswerterweise nicht dagegen, ob es christliche Übersetzungen des Aristoteles vor Toledo gab, sondern, ob Jakob von Venedig Mont Saint-Michel besuchte. Das ändert am Befund freilich nichts, dass solche Übersetzungen existierten.

Das Trommelfeuer seitens des öffentlich-rechtlichen Medienspektrums hört jedoch nicht auf. Nach Borgolte schaltet der DLF direkt einen Beitrag aus juristischer Perspektive nach:

Wer also den Islam angreift, so die Argumentation, greift Muslime an. Es ist diesmal die moralische Masche. Nichts greift in der gegenwärtigen Bundesrepublik mehr als der Vorwurf des Menschenfeinds, ob nun als Rassist, Islamophober oder Ausländerfeind jedweder Coleur. Selbst Seehofers Eingrenzung, dass er die Ideologie meint, nicht die Menschen, hilft da nicht weiter. Der Kritiker wird in eine Ecke gedrängt, um anschließend auf ihn zu zeigen und zu behaupten: er hat sich ja selbst dahin gestellt.

Heute Morgen ist die nächste Offensive zu beobachten: die Muslime als Opfer, die unter Seehofers schlimmer Äußerung leiden. Muslime seien „verängstigt“. Es spricht eine waschechte DITIB-Geschäftsführerin. Dass diese eine eigene Agenda fährt, weil die Anschläge auf Moscheen – sprich: Moscheen ihrer Organisation – viel weniger mit einem islamfeindlichen Reflex, als kurdischen Attacken auf die deutsche Erdogan-Vertretung zu tun haben könnte, ist natürlich reine Spekulation!

Die Anklage verpufft aber auch deswegen, da sich derzeit ebenso die Angriffe auf Kirchen und Christen in Deutschland ausweiten – samt Mordfällen. Dasselbe gilt (in einem schlimmeren Ausmaß) für antisemitische Angriffe auf jüdische und israelische Einrichtungen. Diejenigen Bürger, die sich verängstigt fühlen, weil der Islam in seinem negativsten Sinn doch zu Deutschland gehört, spielt im gesamten Feuerwerk der Medienlandschaft so gut wie keine Rolle.

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