Matthaeus und der Engel

Sonntagsschau (28/5)

27. Mai 2017
Kategorie: Die Achse des Guten | Freiheit | Historisches | Ich bin Guelfe, ich kann nicht anders | Ironie | Medien | Regionalismus | Sonntagsschau

Cora Stephan schrieb lange Zeit in der Wirtschaftswoche und hatte eine eigene Kolumne („Stephans Spitzen“). Nun wurde ihr gekündigt. Der Grund: sie kritisierte die Äußerungen Merkels zur deutschen Kolonialgeschichte. Besonders stieß sich Stephan an der religiösen Überhöhung („an Afrika versündigt“). Der Beitrag wurde einkassiert. Als Stephan nachfragte, wieso dies geschehe, verlor sie ihre Kolumne. Mehr dazu auf der Achse des Guten von Markus Vahlefeld: Das Stinken des Fisches.

Vor einer Woche protestierte die „Identitäre Bewegung“ vor dem Justizministerium gegen das Netzdurchsetzungsgesetz (NetzDG) von Heiko Maas. Es war dies im Übrigen die einzige dagegen protestierende Gruppe; stattdessen fanden sich schnell (ebenso unangekündigte) Gegendemonstranten ein. Der Löwe hatte über die Berichterstattung selbst einen Artikel schreiben wollen, aber es gibt zu diesem Thema nichts, was nicht auch Mit-Bonner Wolfgang Schäfer schon längst darüber gesagt hätte: Aktivisten demonstrieren, Journalisten fabulieren.

Nach Baberowski, Engels und Demandt haben sich die Medien den vierten Historiker ausgesucht, den es öffentlich anzuprangern gilt. So verriss die FAZ zuletzt das neue Buch von Egon Flaig, dem sie „rechtsradikale Propaganda“, „Paranoia als politische Tugend“ und einen „unaufrichtigen Täuschungsversuch“ unterstellte. Flaig wolle gewissermaßen eine Staatsform, die dem „russischen, ungarischen, oder türkischen Neoautoritarismus“ entspreche. Historiker Flaig sieht die Ordnung in Europa von einem aggressiven Islam bedroht.* Im Übrigen keine Neuheit! Eine Ironie sondergleichen, dass vor fast genau zehn Jahren gerade in der FAZ dieser Artikel erschien, den ich zu diesem Anlass herauskrame: Der Islam will die Welteroberung.

Sind Sie bereit für die Rote Pille? – fragt Andreas Tiedtke auf der Seite des Mises-Institus. Aus libertärer Sicht wird aufgeschlüsselt, wie sich der Staat Legitimität verschafft. Der Staat ist nicht das Volk, nicht das Land, sondern eine kleine Gruppe von Politikern, die es geschafft haben, dass man ihr Handeln als „richtig“ wahrnimmt. Ein Staat kann daher niemals allgemeinen Wohlstand verschaffen. Nichts für Etatisten.

Ein Beitrag, der glücklicherweise so komisch ist, dass man den tragischen Inhalt ganz vergisst. Tobias Klein hat den Kirchentag besucht. Dass dieser keine religiöse, sondern eine politische Veranstaltung ist, heben die Organisatoren überall hervor. Die Verquickung von Staat, Kirche und Trivialität ist hier so sichtbar im Zeitgeist vereint, dass man schreiend weglaufen will. Lesen Sie diesen Artikel. Fürchten Sie sich nicht. Er ist wirklich gut. Und vergessen Sie nicht, einen 0-Euro-Geldschein mit Luthers Abbild zu kaufen, um zu verdeutlichen, dass die Gnade Gottes keinen Ablass kostet.
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Zuletzt: noch einmal ein älterer, etwas unterhaltsamerer Beitrag. Claudio Casula schrieb 2007 satirisch darüber, dass die Muslime sich auf den Mond schießen. Also, ganz ohne Attentat, sondern mit Raumschiffen: Asking for the Moon.

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*Egon Flaig: Die Niederlage der politischen Vernunft. Wie wir die Errungenschaften der Aufklärung verspielen. Verlag Dietrich zu Klampen, Springe 2017, 24,80 €.
Die Angaben erfolgen natürlich nur der Vollständigkeit halber, und nicht etwa, um auf unterschwellige Weise das Buch aus reiner Provokation hier anzupreisen, da der Leser eigentlich immer das kauft, was schlechtgemacht wird.

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