Löwensammlung 013

Es richelt nach Denunziant

9. Januar 2017
Kategorie: Die Achse des Guten | Freiheit | Historisches | Machiavelli | Medien | Tichys Einblick | Venedig

Ich habe in der Nacht auf Montag ausdrücklich meinen Kritikpunkt ausgeführt, warum ich das Vorgehen von Tichys Einblick für inkonsequent, verantwortungslos und in letzter Instanz schädigend für all jene halte, die sich um einen alternativen und freien Meinungsaustausch bemühen. Der Löwe ist dabei wenig zimperlich, denn obwohl man meinem Vatervolke Opportunismus unterstellt, so hat doch Machiavelli immer wieder betont, dass man einen Krieg ganz und gar und niemals halbherzig führen darf. Besonders ein Krieg, der aufgezwungen wird, muss mit aller Härte geführt werden; die Achse des Guten hat in der Causa Hensel dazumal alle Karten gespielt, Broder und Konsorten ihre dicksten Geschütze aufgefahren, attackiert, polemisiert und den Herausforderer pulverisiert. Deshalb hat die Achse des Guten ihren Krieg gegen Hensel gewonnen. Der Gegner will die völlige Vernichtung, er will Roland Tichys Kopf, bekam zuerst dessen Artikel und Glaubwürdigkeit, nun dessen Herausgeberschaft bei Xing-News.

Machiavelli sagt aber auch, dass nicht der, welcher den Krieg beginnt, sondern jener, der dazu zwingt, der Übeltäter ist. In diesem Falle sind beide Personen ein und dieselbe. Sehen wir uns den tichyanischen Hensel an, so handelt es sich um Mathias Richel, dessen Tweet auf Facebook im großen Umfang geteilt wurde und damit einer der Frontmänner der Aktion gegen Tichys Blatt und Tichy selbst war.

Es gibt dabei übrigens eine Parallele: obwohl die Aktion von Anfang an mit Richel in Verbindung gebracht wurde – so viele Retweets kann keiner übersehen – verwahrt sich auch Richel (ähnlich Hensel) im Nachhinein, einen Boykott angestiftet zu haben.

Man beachte: im ersten Tweet ruft Richel dazu auf, ihn nachzuahmen, im anderen Tweet behauptet er, dass es kein Boykottaufruf war. Ja, was denn dann – darf man sich fragen, ähnlich wie auch schon bei Hensel. Richel hat eben nicht nur begründet sondern gesagt: „das könnt ihr auch“.
Ceci n’est pas une pipe? Doch, das ist ganz eindeutig eine Pfeife, die ich da vor mir sehe.

Eine kurze Recherche förderte allerdings noch mehr zu Tage. Richel ist kein unbeschriebenes Blatt – noch dazu war er in verschiedenen Agenturen tätig, welche Parteien des linken Spektrums beraten. Im Tagesspiegel von 2013 lesen wir Folgendes:

Im Willy-Brandt-Haus, der Zentrale der SPD, sieht man das anders. Stefan Trabant, kreativer Geschäftsführer der Agentur Super J+K, befindet sich bereits voll im Wahlkampf. „Online ist die schnellste Waffe, ohne sie braucht man gar nicht anfangen“, sagt er. Bei der SPD, die mit einem Etat von 23 Millionen Euro drei Millionen mehr investiert als die Union, ist sogar eine zusätzliche Agentur, die D64 Media, nur für den Online-Wahlkampf zuständig. Deren Leiter Mathias Richel gibt sich kämpferisch. „Ohne zu viel zu verraten: Da wird online noch einiges kommen. Ich bin gespannt, was die Kollegen von Blumberry dem entgegenzusetzen haben.“

Die Agenturen nutzen den Wahlkampf mehr zum kreativen Kräftemessen als für ideologische Grabenkämpfe. Trabant etwa wurde erst SPD-Mitglied nachdem seine Agentur den Zuschlag erhalten hatte. Richel ist zwar seit 1998 in der Partei, arbeitete aber zuvor für die Agentur Zum goldenen Hirschen, die seit Jahren Kampagnen für die Grünen entwirft.

Auch auf der eigenen Seite finden wir Ähnliches unter dem Motto „Der moderat radikale Flügel.“ Nun soll hier nicht Parteimitgliedschaft und Ideologie gleich Grund der Denunziation sein, dennoch hat diese ganze Angelegenheit einen merkwürdigen Geschmack. Noch bitterer wird letzterer, wenn wir uns dieses Statement anschauen:

Wir fassen zusammen: der Mann, der den bösen Rechtspopulisten Tichy denunziert, zeigt totalitäre Tendenzen, wie man sie zuletzt in den braunen und roten Sozialismen kennenlernte. Die Frage stellt sich: Xing erlebt einen Ansturm empörter Linker, weil Tichy dort als Herausgeber der Nachrichtenseite arbeitet(e), aber die SPD hält sich ein Mitglied, das als ehemaliger Wahlkampfberater hier zur offenen Denunziation und zum Kleinkrieg gegen Andersdenkende bis an Arbeitsplatz und Schulen aufruft?

Erwähnen wir auch kurz nebenbei, dass Tichy mit Sicherheit nicht als „neurechts“ gelten kann. Das Interview mit – eigentlich: gegen – Kubitschek dürfte da doch ziemlich klar gewesen sein.

Stattdessen bemühe ich nochmals Wegner, was wohl wäre, gehörte Richel nicht der SPD, sondern AfD an:

Richel hat seinen Beitrag auf Facebook mittlerweile natürlich gelöscht. Was bleibt: ein Sieg der „Guten“, die mit Champagner darauf anstoßen.

https://twitter.com/csommer/status/818430173800497152

Genau deswegen: Präzedenzfälle. Gibt man Extremisten einen Finger, nehmen sie sich Hand und Arm zugleich. Appeasement mit Radikalen funktioniert nie. Man bekommt auch noch einen weiteren Faustschlag in die Magengrube.

Es wird deutlich: es ging nie um den Artikel, dessen Anständigkeit oder Qualität, sondern rein um einen Aufhänger zur Demontage eines Mannes und seines Meinungsportals mithilfe eines „Mobs“, wie ihn Don Alphonso nennt.

Als Venezianer fällt mir dazu nur folgendes ein: womöglich kennen Sie auch diese böse Mär, Venedig sei ein Spitzelstaat gewesen, wo man aufgrund allgemeiner Denunziation ständig Gefahr lief, dem Rat der Zehn und der Inquisition ausgeliefert zu werden. Das ist eine Halbwahrheit. Die Staatsinquisition und Denunziation richtete sich nicht gegen normale Bürger, sondern stets gegen die Machtelite, um diese kleinzuhalten. In einer Republik der Aristokraten ergibt eine Denunziation gegen Matrosen und Handwerker auch wenig Sinn, schließlich erhalten Sie nichts, schwächen niemanden und können auch keine Erpressung anstiften. In Venedig war die Denunziation ein Kontrollmechanismus der Politiker, nicht der Bürger. Dennoch hätte ich da einen Vorschlag für die Bednarzens, Hensels und Richels dieser Welt für das nächste Mal:

denunziation

Manche Einrichtungen sollte man wohl nach der Meinung der Schönen und Guten schnellstens wieder einführen.

Teilen

«
»