Der Bednarzißmus am Ende?

24. September 2016
Kategorie: Carl Schmitt | FAZ-Kritik | Freiheit | Ich bin Guelfe, ich kann nicht anders | Ironie | Medien | Persönliches | Tichys Einblick

Sie hatte zwischen den kleinen Tischchen und Stühlen meines Standcafés schon lange keinen Platz mehr: Liane Bednarz. Dabei habe ich ihr eigentlich viel zu verdanken, denn jedes Mal, wenn ich über Bednarz schreibe, gehen hier auf magische Weise die Klickzahlen hoch. Vermutlich aus dem Milieu der „radikalen Christen“ und „Rechten“, die Frau Bednarz so gerne angreift. Alles andere wäre ja übelste Unterstellung.

Wir erinnern uns kurz zurück: zusammen mit Christoph Giesa veröffentlichte sie das Buch „Gefährliche Bürger“ im Herbst 2015. Bednarz‘ Arbeitsweise wurde damals nicht nur von den Gescholtenen, die von Cicero-Feuilletonist Alexander Kissler, Welt-Autor Matthias Matussek und Focus-Edelfeder Michael Klonovsky bis hin zu kleinen Privatbloggern reichten, sondern auch von den Rezensenten bedeutender Zeitungen verrissen. Patrick Bahners von der FAZ schrieb dazumal eine Kritik, die man „vernichtend“ nennen kann – und Bahners ist sicherlich nicht für seine AfD-Nähe oder Sympathie für den Erzsatan der Neuen Rechten, Götz Kubitschek, bekannt.

Schon damals war die bednarz’sche Arbeitsweise im besten Sinne höchst fragwürdig. Weil jemand einen anderen auf Facebook kannte, Artikel teilte oder als gut befand, oder man auch gemeinsame Veranstaltungen hielt, kurz: irgendeinen Austausch auf der Basis der sozialen Netzwerke oder im Zuge von Veranstaltungen kannte, geriet er direkt in Verdacht, rechtsextremistischen Organisationen anzugehören.

Die Nuancen des Spektrums der politischen Ansichten verschwommen dabei: christlich-konservative, kulturpessimistische, rechtskonservative oder patriotische Ansichten wurden sofort in die rechtsextreme Ecke gestellt, ohne Ausnahme. Der Farbenfächer der rechten Parlamentsseite, der von Mitte-Rechts über Rechts zu Rechtsradikal und Rechtsextrem reicht, und bei dem „Konservativ“ stets in einem Übergang vom ersten bis dritten Element anzusiedeln war, wurde von Bednarz geflissentlich ignoriert. Der Unterschied zwischen rechtsradikal und rechtsextrem – so definiert es die bpb höchstpersönlich – besteht darin, dass Rechtsradikale „radikale Ansichten“ haben, aber nicht die freiheitlich-demokratische Grundordnung angreifen. Bednarz mischt dagegen alles in einen Topf und bezeichnet es als „rechts“, also unausgesprochen „rechtsextrem“ und damit verfassungsfeindlich – so schafft sie sich ihre „gefährlichen Bürger“ selbst.

Das Buch erschien im Hanser-Verlag, war also eigentlich als große Nummer geplant. Verkaufszahlen und Amazon-Bewertungen sprechen jedoch eine andere Sprache. Die Arbeitsweise, die in ihrer Konstante an Hausarbeiten aus dem ersten Universitätssemester erinnert, war auch vielen normalen Lesern aufgefallen. Zu allem Übel gab es wohl Streit zwischen Giesa und Bednarz; der Außenstehende bemerkte bald, dass die beiden Personen, die auf dem Buchcover arbeiteten, nicht mehr gemeinsam in der Öffentlichkeit auftraten.

Während Giesa danach zunehmend verschwand, begann für Bednarz erst der Beginn einer Reise durch die Mediengesellschaft, die sich früher nur auf Facebook und Twitter abgespielt hatte. Schon zuvor hatte die Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung zusammen mit dem Bonner Politologen Andreas Püttmann ein Papier über rechte Tendenzen innerhalb der evangelischen und katholischen Kirche ausgearbeitet. Dabei gerieten besonders konservative und traditionalistische Kreise unter Beschuss, sowie Teile der Blogozese. Ein Beitrag bei eigentümlich frei oder ein Interview in der Jungen Freiheit reichte dazu, als „rechts“ zu gelten, auch kath.net galt nunmehr als Verlautbarungsorgan der „Rechten“ – wobei der Löwe hier keinerlei Aussagen über irgendeines dieser Meinungsportale machen will, ob diese wirklich als rechtsextrem angesehen werden können. Meinem Erkenntnisstand nach hat keines der Journale die Abschaffung der freiheitlich-rechtlichen Ordnung auf den Segeln stehen – aber der Kampf gegen „Rechts“, auch der vermeintliche, hat schon immer gönnerhafte Stimmen auf den Plan gerufen.

Nicht auszuschließen, dass auch offizielle Kirchenpressestellen ein Interesse daran hatten, die privat geführten und erfolgreichen Webseitenbetreiber etwas einzuhegen, da das kirchensteuerfinanzierte katholisch.de als Flaggschiff des Meinungskatholizismus nicht so flott lief, wie man sich das wünschte. Als Italiener fragt man sich bei solchen merkwürdigen Aktionen immer nach dem „cui bono?“. Ich verweise nur auf die Angriffe aus dem Lager von katholisch.de auf „verblödete Blogger“, wie sie Kardinal Marx nannte. Oder gar auf das Abendland, das die Kirche mitgestaltet hat. Im Kampf gegen die Bösen ist jeder Blödsinn erlaubt.

Im Februar 2016 erschien dann Bednarzens vorerst größter Coup: ein Artikel in der FAS über „Radikale Christen“. Wie Roland Tichy treffend bemerkte: ein Artikel, der schon stilistisch aus dem Duktus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung herausfiel.* Bednarz schöpfte aus dem KAS-Papier und verband so ziemlich alles, was ihr nicht in den Kram passte. „Wer rechts ist, bestimme ich“, hört man da ein altes Wort aus der Vergangenheit hallen. Kirche in Not, Matussek, Kissler, „Putinfreunde“, die Kelles und Peter Winnemöller wurden ebenso zum Abschuss freigegeben wie die „Bloggerszene“ darum.

Dass Bednarz freilich selbst einst Moderation bei einer Diskussionsrunde führte, bei welcher der konservative Historiker Arnulf Baring und der Cicero-Autor Alexander Kissler auftraten – und damit zwei aus ihrer Sicht „Rechte“ – gibt dem Ganzen einen Beigeschmack. Ebenso, wenn man weiß, dass Bednarz Herrn Matussek nicht von Anfang an antagonistisch gegenüberstand.

Das war natürlich lange her, im Zeitraum 2012/2013. Dennoch vielleicht ein letzter Zusatz aus dem November 2013, dieses Mal von Birgit Kelle, die ihr Buch „Dann mach doch die Bluse zu“ im Bayrischen Hof in München vorstellte. Raten Sie mal, wessen Name dort auftaucht? Ich zitiere:

Weil es so schön war, wieder eine Buchvorstellung im München, und wieder im gemütlichen Palaiskeller des Hotel Bayrischer Hof. Der Hirsch dort an der Wand wird langsam zu meinem besten Freund und er ist auch wirklich beeindruckend. Diesmal komme ich auf Einladung von Adelheid Hochreiter, Sandra Putschögl und Dr. Liane Bednarz, die zu ihren Vortragsabenden in München bereits zahlreiche meiner Kollegen wie Matthias Matussek oder auch Jan Fleischauer zu Gast hatten. Ich freue mich sehr auf den Abend! Beginn: 20 Uhr, Eintritt frei.

Ein Versehen? Die selige Jungfrau Liane im Zusammensein mit bösen Rechten, und das nur zwei Jahre vor ihrem Buch? Aber mit Sicherheit war das nur gegen ihren Willen!

München scheint in der Tat ein empfängliches Pflaster für meine Ansichten. Ob wohl doch was dran ist an der These, dass die Uhren in Bayern noch anders laufen? Die dritte Lesung in München, die zweite davon im Bayrischen Hof. Herzlichen Dank an Dr. Liane Bednarz für die Einladung und Organisation und auch den wunderbaren Ausklang bis nachts um zwei in Falk`s Bar mit dieser phantastischen Stuckdecke. Im Frühjahr geht es dann noch zweimal nach München…

Huch! Die scheinen ja richtig Spaß nach der Sache gehabt zu haben. Glücklicherweise nur ein einmaliger Ausrutscher!

Es ist doch ein besonderer Moment, das erste eigene Buch vorstellen zu können. Ein großartiger Abend in München bei Ragg`s Domspatz Soirée. Besonders schön: Meine Eltern sind überraschend da. Sie hatten sich unter falschem Namen angemeldet und sind über 500 Kilometer gefahren, um heute mit dabei zu sein. Überraschung gelungen! Herzlichen Dank auch an Dr. Liane Bednarz für die gelungene Moderation, und dass wir den Beweis antreten konnten: Es gibt Facebookfreunde auch im realen Leben.

Der Beitrag stammt aus dem August 2013. Es wird offenbar: Frau Bednarz gehörte selbst einmal zum „rechten Milieu“, das sie jetzt bekämpft. Legte man ihre Definition an die eigene Person, ist der Schritt zur Identitären Bewegung und einem Aufenthalt auf dem kubitschek’schen Anwesen von Schnellroda nicht mehr weit. Offensichtlich hat die Freundschaft nicht gehalten. Matussek, Kissler, Kelle – ein privater Rachefeldzug gegen ehemalige Gefährten.

Bednarz hat diesen Krieg mit clausewitz’scher Totalität geführt. Auf Twitter, auf Facebook, auf dem Blog „Starke Meinungen“. Sie hat mittlerweile eine Kolumne im Tagesspiegel, war in einer Phoenixrunde und nahm Kontakt zu ihrem neuen Matussek auf, dem eher linksintellektuellen Nassehi. Der Matussek’sche Smiley wie Maximilian Krahs Tweet über die „tödliche Willkommenskultur“ wurden von ihr gehyped.

Gleichzeitig ist erstaunlich, wie wenig Bednarz mit ihrem ehemaligen Mitstreiter Püttmann zusammenarbeitet. Zufall?

Wohl nicht. Denn seit gestern ist auch das neue Kartell zerbrochen, dem Bednarz sich hatte anbiedern wollen. Auslöser war Journalist Hans Hütt, der für die ZEIT, FAZ und taz schreibt. Der schrieb Bednarz:

Kurz: Bednarz Argumentation ist gar keine, sondern reine Empörung, reine Aneinanderreihung, aber keine Argumentation. Nicht, dass man dergleichen auch ohne Hütt’schen Erfahrungshorizont hätte feststellen können. Aber der Mangel an geistiger Brillanz wird wohl auch der Grund gewesen sein, weshalb Bednarz auch schon bei Kissler und Matussek keinen Fuß in die Türe bekam. Daraufhin geschah genau das, was Giesa mal Bednarz an den Kopf warf, und was Madame stets abstritt: sie wurde hysterisch.

Und wie.

Auf ihrer Facebookseite sprang Bednarz auf den Feminismuszug auf. In Bezug auf eine Abgeordnete, die sich am selben Tag über „Sexismus in Parteien“ echauffiert hatte, erklärte nunmehr Bednarz der gesamten Männerwelt den Krieg. Trotz 1er-Abitur, KAS-Stipendiate und ihrer vielfältigen Qualifikation werde Sie als Dummchen behandelt, weil sie eine Frau sei. Hütt, Nassehi und alle anderen neideten ihr den Ruhm. Sofort versammelte sich eine Gruppe von Berufsklatschern, um Bednarz beizustimmen, wie die Männerwelt sie fertig machen wolle – allerdings hatte Bednarz nicht die Rechnung mit einem alten Gefährten gemacht.

Christoph Giesa himself wartete auf und rührte den Gezänktopf erst richtig an. Auch Matussek ließ sich blicken und streute Salz in die Wunde. Bednarz tat das, was alle selbstbewussten Frauen in solchen Momenten tun – und „taggte“ einige ihrer Mitstreiter, damit diese ihr beim Kampf gegen den Drachen halfen. Feindschaften aufgewärmt. Hauptpunkt: Giesa behauptete, Bednarz habe nur ein einziges Kapitel geschrieben. Der samstägliche Abend wurde zum Rosenkrieg. Bednarz blockte Hütt und Nassehi.

Nassehi, Hütt und Giesa.

Zum Ersten.

Zum Zweiten.

Und zum Dritten

Mittlerweile hat Bednarz ihren Facebookpost gelöscht, der zum Schlachtfeld geworden war. Auch zu Nassehi kam sie auf Knien bettelnd zurück. Es macht aber nicht die gestrigen Vorfälle ungeschehen, die ganz offen zeigen, dass Giesa – der mit Sicherheit nicht zu meinen Lieblingspublizisten zählt – Recht behält, was den Charakter von Frau Bednarz angeht; und dass diese im Zweifel alles und jeden niedersticht, der ihr entweder im Weg steht oder eine andere Meinung hat.

Als Bednarz mit Giesa stritt, war Herr Giesa schuld. Als Bednarz mit Kissler, Matussek und co. stritt, waren die Rechten schuld. Nun, da sie mit den Linken stritt, waren alle Männer schuld.

Wenn es in diesem Tempo weitergeht, dürfte Frau Bednarz bald einen Privatkrieg gegen die sämtliche Erdenbevölkerung führen. Mehr Selbstdemontage war nie.

Ein großer Dank gilt dem Twitteruser Central, der die Fundstücke vor der Löschung sicherte.

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*Der Rest von Tichys Aussage findet sich als Zitat in meinem damaligen Eintrag.

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