Giovannino_Guareschi

Guareschi und die Monarchie

13. Dezember 2015
Kategorie: Giovannino Guareschi | Historisches | Ich bin Guelfe, ich kann nicht anders | Ironie | Italianità und Deutschtum | Philosophisches

In meinem letzten Eintrag zu Guareschi führte ich bereits einmal die Figur der resoluten Lehrerin Cristina auf, die autobiographische Erlebnisse Guareschis verarbeitet. Es ist aber nicht das einzige Mal, dass Signora Cristina einen höchst komödiantischen, liebevollen und doch strengen Auftritt hat. Ich spreche dabei von der Sterbeszene und ihrem letzten Wunsch.

In dieser bewegten Nachkriegszeit, in welcher Italien sich von der Monarchie – und damit allem Alten – lösen wollte, war es ein faux-pas, eine Ungeheuerlichkeit, sich mit der alten Flagge des Hauses von Savoyen begraben zu lassen. Alle politisch bedeutsamen Kräfte – hier arbeiteten Christdemokraten und Kommunisten Seite an Seite zusammen – wollten die Republik. Das war auch ein Grund, warum Guareschi womöglich mit De Gasperi und seinen Mitgasperisten nicht so zurechtkam: im tiefsten Inneren konnte Guareschi den Christdemokraten nie verzeihen, dass man die Königsfamilie ins „ewige Exil“ verbannt hatte. Wunderschön hier die Phantasie der greisen Lehrerin:

»Du und deinesgleichen haben den König und seine kleinen Kinder auf eine einsame, verlassene Insel geschickt, wo sie elendiglich verhungern!«

Auf die Einlassungen der beiden Protagonisten, welche der alten Dame das Referendum von 1946 erklären, meint diese strikt:

»Die Demokratie! Einen König kann man nicht absetzen.«

Fräulein Christina will wie „in zivilisierten Zeiten“ beerdigt werden, mit einer Fahne auf ihrem Sarg. Ihrer Fahne, der Fahne des Königs, der Trikolore mit dem Kreuz von Savoyen. Und obwohl sich alle widersetzen, ist es ausgerechnet Peppone, der diesen letzten Wunsch der Lehrerin erfüllt, und dabei auch nicht vor diktatorischen Mitteln zurückschreckt.

Selbst die Demokratie hat zurückzutreten, wenn es um den Menschen geht. Das ist der Humanismus der Kleinen Welt von Guareschi.

Was diese Szene zu bedeuten hat, und wie stark sie mit Guareschi zusammenhängt, erkennt man daran, wie sein Begräbnis stattfand. Auch er verlangte keine Musik. Auch er wollte, dass der Sarg traditionell herumgetragen wird. Und ihn scherten nicht die Neuerungen des II. Vatikanischen Konzils, sondern er hatte es durchgesetzt, dass der Dorfpriester zur eigenen Beerdigung im alten, tridentinischen Ritus auf Latein die Zeremonie vollzog.

Auf seinem Sarg ruhte die Trikolore – mit dem Wappen von Savoyen.

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